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Zirkuskinder sind nach einer gerichtlichen Anhörung in Lucknow wieder in Freiheit

Elend im Zirkus
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Januar 2004: die ersten durch uns befreiten Kinder ältere Zirkus-Rückkehrer versuchen sich in der Imkerei
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Es wird angenommen, dass jährlich mehrere tausend Kinder und weibliche Jugendliche von Nepal nach Indien verschleppt und dort als Zwangsarbeiter oder Prostituierte verkauft werden. 2002 brachte uns ein Hinweis dazu, einem Aspekt des Kinderhandels nachzugehen, der bis dahin vollständig übersehen worden war: der Verkauf von Kindern an indische Zirkusse.

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Eine sechsmonatige verdeckte Untersuchung in 29 der größten Zirkusse lieferte erstmals harte Fakten über Art und Ausmaß des Problems. Unser Bericht brachte eine schreckliche Vielzahl körperlicher und sexueller Missbräuche an über 200 Kindern ans Tageslicht. Diese arbeiteten sieben harte Tage die Woche, mussten dabei gefährliche und demütigende Aufführungen durchstehen und bekamen dabei kaum Essen oder Schlaf bzw. Ruhepausen. Die Kinder und ältere Mädchen, die wir interviewen konnten, erzählten häufig von schwerwiegenden Verletzungen und Todesfällen in Folge von Unfällen. Durch "Verträge" - meist von verarmten, ungebildeten und leider in einigen Fällen auch unverantwortlichen und gierigen Eltern unterzeichnet - waren diese Kinder jedoch bis zu zehn Jahre an den jeweiligen Zirkus gebunden und damit Spielball der Zirkusbesitzer. Die Versprechen der Kinderhändler, den Kindern ein regelmäßiges Einkommen und ein gutes Leben zu ermöglichen, wurden nicht erfüllt. Stattdessen bekamen die Eltern meist kaum mehr als eine Anzahlung zum Vertragsabschluss von etwa 30 bis 50€.

Nahezu alle Kinder der indischen Zirkusse sind geborene Nepalis oder entstammen nepalesischen Volksgruppen, die in den nördlichen Grenzgebieten Indiens leben. 83% von ihnen waren Mädchen, deren Aufführungen in knappen Kostümen die Hauptattraktion der heruntergekommenen Zirkusse darstellten. Von den Kindern, die ursprünglich aus Nepal stammten, kam die Mehrheit aus dem Distrikt Makwanpur (südlich von Katmandu), einer Region, in welcher der Kinderhandel bereits mehrere Generationen in die Vergangenheit reicht. Der zweitwichtigste Distrikt weiter im Osten Nepals war Morang. Die Kinder kamen sowohl aus verarmten Dörfern als auch aus ärmeren Vierteln der Großstädte Makwanpurs und des Morang Distriktes: Hetauda und Biratnagar.

Unsere sofortige Reaktion auf die Ergebnisse der Studie war die Errichtung eines Standpunktes in Hetauda im Juni 2003. Ein kleines Team von Mitarbeitern (darunter auch ein ehemaliges Zirkusmädchen) begann mit seiner Arbeit auf die Untersuchung aufzubauen, die in Indien stattgefunden hatte. Durch die Arbeit des Teams wurde uns bewusst, wie schwer das Leben für die Zirkuskinder nach ihrer Rückkehr war. Aufgrund ihres niederen Berufsstandes als "Show Girl" oder aufgrund von Verbindungen zu anderen verschleppten Kindern, die in Bordellen gearbeitet hatten, werden sie gemieden. Sie waren so verzweifelt auf der Suche nach Akzeptanz oder auch nur einer Möglichkeit, sich durchzuschlagen, dass sie sogar in den Zirkus zurückkehren würden, um ihre Verträge zu erneuern. Genau wie gegen das Problem des Kinderhandels über Agenten, mussten wir auch gegen diesen zweiten Weg etwas tun, auf dem die Kinder in den Zirkus kamen. 2004 bauten wir unsere Präsenz nach Biratnagar aus, wo wir ebenso ein NCWF-Büro etablierten. Sowohl in Hetauda als auch in Biratnagar gründeten wir unter dem Namen "The Nawa Jagaran Club" Gruppen, in denen die zurückkehrenden Mädchen Unterstützung finden. Die Gruppen wurden bald zu einem lebenswichtigen sozialen Treffpunkt für die Rückkehrer. Darüber hinaus boten sie uns die Möglichkeit, von den Kindern zu hören, wie wir ihnen am besten bei ihrem Weg zurück in das normale Leben helfen könnten.

Das in 2004 offiziell gestartete Zirkuskinder-Projekt hat als Hauptziel die Beendigung von Kinderarbeit in indischen Zirkussen bis 2007 und in der Zwischenzeit die Rückkehr und Rehabilitation von möglichst vielen von ihnen. Ende 2005 waren weit über 150 Mädchen entweder direkt oder indirekt über unsere Anstrengungen nach Nepal zurückgekehrt. Direkte Maßnahmen beinhalten Besuche der Zirkusse durch die Mitarbeiter unserer Partnerorganisation (NCWF), begleitet von den Eltern der Kinder. In Indien treffen sie auf eine der indischen Partnerorganisationen (Pravasi Nepali Mitra Manch), die ein Forderungsschreiben der Nepalesischen Botschaft in Delhi bereithalten, in dem die lokalen Behörden um Kooperation mit dem Team gebeten werden. Nach hitzigen Diskussionen und anfänglichem Widerstand geben die Zirkusbesitzer die Kinder heraus, so dass sie ihren langen Weg nach Hause und in die Freiheit antreten können. Neben diesem direkten Weg sind einige Eltern so beeindruckt von unserer Kampagne, dass sie auf eigene Faust zu den Zirkussen reisen, um ihre Kinder zurück zu holen. Weiterhin sind ehemalige Kinderhändler durch Kommunen und der nepalesischen Polizei derart unter Druck geraten, dass sie Kinder, die sie einst verkauft hatten, wieder aufsuchten und von ihren damaligen Klienten zurückbrachten.

Sobald die Kinder zurück in Nepal sind, werden sie - abhängig von ihrem Alter und individuellen Umständen - auf unterschiedlichen Wegen unterstützt. Für die jüngsten Kinder, die noch im Schulalter sind, wird durch private Brückenkurse der Wieder- oder Ersteinstieg in die Schule ermöglicht. Dies ist mit Schulstipendien und weiterer Ausbildungsunterstützung für die Schüler und ihre hilfsbedürftigen Geschwister verbunden. Ende 2005 erhielten 118 Kinder (48 Rückkehrer und 70 Geschwister) diese Unterstützung. Weiterhin wurde den weiblichen Jugendlichen, die bereits zu alt für die Schule waren oder nicht in die Schule gehen wollten, ein alternatives Programm angeboten. Dieses umfasst privaten Unterricht in Kombination mit einer Ausbildung, die ihnen eine echte Chance auf einen Berufseinstieg geben. Die Ausbildungen werden in allen unseren Standorten inklusive Katmandu abgehalten, wo 2005 ein Ausbildungszentrum errichtet wurde. Inhalte dieser Trainingseinheiten sind landwirtschaftliche Initiativen (wie beispielsweise Pilzanbau oder Imkerei), die auch direkt auf dörfliche Regionen transferiert werden können. In Katmandu dagegen laufen Back-, Koch- oder Schneiderkurse. In einer großen Initiative mit Hatti Trading Ltd., einer neuen Organisation aus England, die von unsere ehemaligen EBT-Helferin Emma Triplett ins Leben gerufen wurde, verkaufen wir sowohl Hand- und Wildledertaschen als auch Geldbörsen, die im Katmandu Ausbildungszentrum unter Fair Trade-Bedingungen hergestellt worden waren. Kürzlich wurden unsere Produkte von einer ähnlichen amerikanischen Organisation namens The American Emancipation Net angekauft und verkauft.

All das trug dazu bei, das Bewusstsein für die Zirkuskinder sowohl in Nepal und Indien als auch international (z.B. über BBC ) zu erhöhen und die Gefahren der Zirkusse hervorzuheben. Weiterhin konnten wir durch unser Einkommensgewinnungsprogramm sowie wichtige Kapitalentwicklungsprojekte in den ärmsten Schulen im Makwanpur-Bezirk die Gunst der lokalen Medien gewinnen. Dieser Ansatz zahlt sich insofern aus, als dass die lokale Bevölkerung eine Verbesserung ihres täglichen Lebens durch unsere Initiative sieht und daher bereit ist, uns zu unterstützen, indem sie den Lügen und leeren Versprechungen der Agenten widerstehen. Diese Vorgehensweise hatte bereits bei den drei Haupt-Agenten Erfolg, die bis 2004 frei im Makwanpur Distrikt operieren konnten und nun auf unsere Initiative hin hinter Gittern sind.

Es ist bereits illegal, wilde Tiere in indischen Zirkussen einzusetzen und wir werden dasselbe auch für den Einsatz und Missbrauch von Kindern durchsetzen.

Für das Jahresbudget 2006 des Zirkuskinder-Projekts von £127,403 benötigen wir noch £ 50,685. Jener Betrag deckt die Freisetzung und Rehabilitation von Kindern, ihre Ausbildung und die Einkommensgewinnungsprojekte, sowie das gerichtliche Vorgehen gegen die Agenten und Zirkusse. Um speziell für das Zirkuskinder-Projekt zu spenden, benutzen Sie bitte die folgende Schaltfläche. Vielen Dank!

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